Grußwort der 1. Vorsitzenden des Offenbacher Oratorienchors

Ich möchte zu unserem 175 jährigen Jubiläum - ich gestehe, dass mich schon die Zahl mit großem Stolz und Respekt vor der langen Tradition erfüllt, einige sehr persönliche Empfindungen und Eindrücke äußern.

Vor über 30 Jahren bin ich durch unseren damaligen Vorsitzenden Fritz Augst und seine Frau Sophie in den "Oratorienchor" gekommen, und bis zum heutigen Tag ist der Montag Abend, der Tag unserer wöchentlichen Chorprobe, ein fester und überaus liebgewonnener Bestandteil in meinem Leben geworden. Die menschliche Gemeinschaft, das oft sehr mühsame Erarbeiten eines Werkes und das Erlebnis des Konzertauftritts mit Lampenfieber und Vorfreude sind unbeschreibliche Erlebnisse und der Reichtum dieser Erfahrungen überträgt sich überaus positiv ins Alltagsleben.

Das gemeinsame Interesse, die großen Oratorien der Musikliteratur kennenzulernen und zur Aufführung zu bringen, die Verbundenheit mit anderen Chören, die gemeinsamen Ausflüge, Reisen und unzähligen Feste haben eine bunte Palette von Erinnerungen hinterlassen; lebenslange Freundschaften sind entstanden und viele tragische und schwere Schicksale von Chormitgliedern hat der Chor als Gemeinschaft mitgetragen. Für viele unserer älteren, jetzt passiven Mitglieder war "ihr" Sängerverein ein Teil ihres Lebens.

Als ich jetzt im Zusammenhang mit unserem Jubiläum für unsere Dokumentation und das Festprogramm die unendliche Fülle von Dokumenten - z. T. noch handgeschrieben - Plakate, Fotos, Rezensionen und Zeitungsartikel gesichtet habe, so ist mir eigentlich erst so richtig klargeworden, was für eine immense Zeitspanne, auch im Hinblick auf die geschichtlichen Zeitläufte, 175 Jahre sind. Es gab zwei Weltkriege, und immer wieder gab es Menschen, die es geschafft haben, den Chor durch alle Höhen und Tiefen zu manövrieren, durch ihr sehr persönliches Engagement und enormen persönlichen Einsatz. Das ist es, was mich neben den vielen musikalischen Höhepunkten in der Geschichte des Chores am meisten beeindruckt hat, die vielen Namen, die mir begegnet sind, die sich zu allen Zeiten ehrenamtlich für den Fortbestand eines so komplexen "Gebildes" eingesetzt haben.

Seit 10 Jahren leite ich die Geschicke des Chores, das Jubiläum erfüllt mich mit Freude und Dankbarkeit für alles Erlebte, und ich habe den persönlichen Wunsch, dass dem Chor eine lange Zukunft beschieden sein möge.


Inge Harder
1. Vorsitzende (amtierend bis März 2002)

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